Zum Inhalt springen

Beendigung des Umweltmanagementsystems „Grüner Gockel“

Grüner Gockel
Datum:
Veröffentlicht: 18.6.26
Von:
Wolfgang Singer

Bewahrung der Schöpfung mit langem Atem
Umweltmanagement in St. Marien: Rückblick – und ein ehrlicher Ausblick

Als sich am 27. März 2014 erstmals ein kleines Umweltteam im Pfarrzentrum St. Marien traf, war noch nicht abzusehen, welchen Weg die Pfarrei einschlagen würde. Was mit einer Bestandsaufnahme begann, wurde zu einem beispielhaften Engagement für nachhaltiges kirchliches Handeln – getragen von Ehrenamtlichen, begleitet von Fachleuten und unterstützt durch die Gremien der Gemeinde.

Nach gründlicher Analyse und Bewertung der dringendsten Handlungsfelder wurden gemeinsam mit Kirchenverwaltung, Pfarrgemeinderat sowie den Leitungen von Kindergarten und Hort konkrete Maßnahmen beschlossen. Das Ziel war klar: Verantwortung übernehmen für Gottes Schöpfung – ganz praktisch vor Ort.

Auszeichnung für konsequentes Handeln

Ein wichtiger Meilenstein war das interne Audit im Juli 2016 durch Klaus Schwaab, Umweltbeauftragter der Erzdiözese Bamberg. Am 9. Juni 2017 folgte die offizielle Anerkennung: Die Katholische Pfarrgemeinde St. Peter und Paul/St. Marien Erlangen-Bruck erhielt von der Industrie- und Handelskammer Nürnberg die Urkunde über die erfolgreiche Zertifizierung nach EMAS III. Damit wurde das Umweltmanagementsystem auf europäischem Niveau bestätigt.

Nur wenige Monate später, am 14. Oktober 2017, durfte sich die Gemeinde über den Klimapreis der Erzdiözese Bamberg freuen – eine Würdigung des konsequenten Einsatzes für Energieeinsparung, Ressourcenschonung und nachhaltiges Wirtschaften.

Auch das Überwachungsaudit 2019 durch Umweltgutachter Michael Hub aus Frankfurt bestätigte die gute Arbeit: Das EMAS-Zertifikat wurde bis Juni 2021 verlängert.

Ein neuer Weg: Der „Grüne Gockel“

Im Sommer 2021 stand die Gemeinde vor einer wichtigen Entscheidung: Sollte das Umweltmanagement beendet, weiterhin nach EMAS geführt oder auf das kirchliche Umweltmanagementsystem „Grüner Gockel“ umgestellt werden? Nach intensiven Beratungen und mit Unterstützung durch Fachreferenten aus München und Bamberg fiel die Entscheidung zugunsten des „Grünen Gockels“.

Im Februar 2022 erfolgte die Prüfung durch den kirchlichen Umweltrevisor Roland Wolkersdorfer. Am 22. März 2022 erhielt die Gemeinde die Zertifizierungsurkunde, unterzeichnet vom Bamberger Generalvikar Georg Kestel. Das Zertifikat gilt bis Februar 2026.

Damit setzte St. Marien erneut ein Zeichen: Umweltverantwortung ist kein Projekt auf Zeit, sondern Ausdruck christlicher Glaubenspraxis.

Realistische Einschätzung der Lage

Nun steht wieder eine Rezertifizierung an – und das Umweltteam hat sich nach reiflicher Überlegung gegen eine erneute Zertifizierung ausgesprochen. Die Gründe sind offen benannt:

Die Pfarrei verfügt derzeit über keinen leitenden Pfarrer, was die Gestaltungsspielräume einschränkt. Zudem ist St. Peter und Paul/St. Marien im Erzbistum die einzige zertifizierte Gemeinde – ein Umstand, der zusätzliche Verantwortung, aber auch Isolation bedeutet.

Vor allem aber fehlt es an personellen Ressourcen. Das Umweltteam zählt aktuell nur noch drei Mitglieder, neue Mitstreiterinnen und Mitstreiter sind nicht in Sicht. Eine Rezertifizierung im Jahr 2026 wäre mit erheblichem organisatorischem Aufwand verbunden, der ehrenamtlich kaum zu leisten ist.

Die Saat geht weiter auf

Und dennoch: Das Engagement endet nicht. Geplant ist, einzelne Themen und Initiativen weiterzuführen – dort, wo es möglich ist und Kräfte vorhanden sind. Denn die Sensibilität für nachhaltiges Handeln ist gewachsen. Viele Maßnahmen sind inzwischen selbstverständlich geworden.

Vielleicht ist dies sogar ein stiller Erfolg des Umweltmanagements: Dass Bewahrung der Schöpfung nicht mehr nur Projekt, sondern Haltung geworden ist.

Die vergangenen zwölf Jahre zeigen eindrucksvoll, was eine engagierte Gemeinde bewegen kann. Sie erinnern uns zugleich daran, dass kirchliches Leben vom Mitmachen lebt. Die Sorge um Gottes Schöpfung bleibt Auftrag für uns alle – heute und in Zukunft.