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Pfingsten gegen „Me-first-Bewegung“

Pfingsten
Datum:
Veröffentlicht: 24.5.26
Von:
hal

Erzbischof Gössl ruft zu Einheit und Versöhnung auf und warnt vor Abgrenzung und Separatismus

Bamberg. Erzbischof Gössl ruft an Pfingsten zu mehr Zusammenhalt, Verständigung und Versöhnung auf und warnt vor gesellschaftlichen Tendenzen der Abgrenzung. In seiner Predigt stellte er den Heiligen Geist als Kraft der Einheit und des Friedens dar. „Gottes Geist bewegt die Welt zur Einheit, nicht zum Separatismus“, sagte Gössl.

Bamberg. Der Bamberger Erzbischof Herwig Gössl ruft an Pfingsten zu mehr Zusammenhalt, Verständigung und Versöhnung auf und warnt vor gesellschaftlichen Tendenzen der Abgrenzung. In seiner Predigt im Bamberger Dom stellte er am Sonntag den Heiligen Geist als Kraft der Einheit und des Friedens dar. „Gottes Geist bewegt die Welt zur Einheit, nicht zum Separatismus“, sagte Gössl in Anspielung auf das diesjährige Bistumsmotto „Du bewegst die Welt“.

Der Heilige Geist wirke nach den Worten des Erzbischofs nicht nur in der Schöpfung, sondern führe Menschen trotz aller Unterschiede zusammen. Die Vielfalt der Menschen werde dabei nicht aufgehoben, sondern vorausgesetzt. Gössl verwies auf die biblische Pfingsterzählung, in der Menschen unterschiedlicher Herkunft und Sprache die Botschaft der Apostel verstehen konnten. Der Geist Gottes arbeite „auf die Einheit hin“ und baue Gemeinschaft auf.

Zugleich kritisierte der Erzbischof gesellschaftliche Entwicklungen, bei denen Menschen sich voneinander entfernten und sich zurückzögen. Viele Bewegungen der Gegenwart seien geprägt vom Wunsch, den eigenen Willen vollständig durchzusetzen. Wenn das nicht gelinge, ziehe man sich aus Beziehungen, Gemeinschaften oder Institutionen zurück. Verstanden werde dies oft als Stärke und Selbstbewusstsein, tatsächlich steckten dahinter aber häufig große Unsicherheit und Schwäche, sagte Gössl.

Bedenklich sei, dass auf gesellschaftlicher, nationaler oder internationaler Ebene immer mehr „Me-first-Bewegungen“ entstünden. Diese seien nicht vom Geist Gottes getragen. Gottes Geist bewege die Menschen vielmehr „zu Vergebung, Versöhnung und Frieden, nicht zu Unversöhnlichkeit, gegenseitigen Vorwürfen und Krieg“.

Kirche sei deshalb eine „Gegenbewegung gegen alle Ab- und Ausgrenzungstendenzen“, die aus Angst entstünden und Hass sowie Zwietracht säten. Gleichzeitig räumte Gössl ein, dass auch die Kirche selbst nicht immun gegen solche Entwicklungen sei, weil sie aus Menschen bestehe. Die Spaltungen innerhalb der Kirche seien dafür „ein sichtbarer Ausdruck, der schmerzt“. Dennoch werde in der Kirche immer wieder spürbar, dass Menschen unterschiedlicher Herkunft und verschiedener sozialer Gruppen zusammenfinden könnten und dass daraus Gemeinschaft und ein tragfähiges Netzwerk von Hilfsbereitschaft entstünden. Er denke dabei an die vielen Hilfsdienste für Menschen in Not, aber auch an die Verbände, an die Gruppen und Kreise in den Pfarrgemeinden. „Sie alle müssen sich immer wieder der Bewegung des Geistes Gottes öffnen, damit sie sich nicht abschotten, sondern offen bleiben, nicht in der Erinnerung an vergangene Zeiten erstarren, sondern in Bewegung bleiben auf Zukunft hin“, betonte der Erzbischof.

Zum Abschluss seiner Predigt rief der Erzbischof die Gläubigen dazu auf, sich vom Geist Gottes bewegen zu lassen zu Entspannung, Versöhnung und Frieden: „Unsere zerrissene Welt wartet darauf.“

Der Livestream des Pontifikalamts kann auf Youtube angeschaut werden.